|
Mittwoch 26.09.07 Schon früh am Morgen herrscht ein reges Treiben auf dem Kirchplatz der katholischen Gemeinde am Frankfurter Berg. Koffer, Taschen und Proviant werden noch schnell in den mit Hilfsgütern gut gefüllten Anhängern und Zug-fahrzeugen verstaut. Die vier Gespanne – vomT3 Club Joker (am Haken ein wunderbar restaurierter Westfalia-Hänger) bis zum T5 Multivan – stehen zur Abfahrt bereit. Auch ein sehr seltener Westfalia Kleider-Anhänger ist diesmal mit von der Partie. Die Zeit drängt, denn wir möchten das 730 km entfernte Wien noch vor der Dämmerung erreichen. Natasa und Uwe (der WR-Webmaster) halten die Fahrt in Bild und Ton fest. Herzlich wird das bbf30-Team von Ehepartnern und Freunden verabschiedet, dann setzt sich der Hilfskonvoi langsam in Bewegung. Nach ziemlicher Quälerei durch den stockenden Frankfurter Berufsverkehr ist die folgende Autobahnfahrt fast entspannend. 150 km vor Wien halten wir an der Raststätte „Haag“, trinken eine leckere Kaiser-melange und lassen uns den Apfelstrudel schmecken. Dank Michaels Routen- und Zeitplan erreichen wir am frühen Abend unser Nachtquartier „Hotel Bergwirt“ pünktlich. Nach einem späten Abendessen wird der heutige Tag mit einen Marillen-Schnaps beendet.
Donnerstag 27.09.07 Aufwachen, Duschen, Frühstück – und schon sitzen wir wieder in unseren Bullis. Die ungarische Grenze ist schnell erreicht, die Kontrolle kein großes Problem mehr. Zügig kommen wir auf der E 60 voran. In den Pausen bieten Horst und Rainer das Essen aus dem reichhaltigen Proviant an. Während der Durchfahrt von Ungarns Hauptstadt Budapest werden die Gespanne im dichten Stadtverkehr und den vielen Ampelstopps voneinander getrennt: über Funk können wir uns untereinander verständigen und finden nach und nach wieder zusammen. Gegen 16 Uhr erreichen wir das Pfarrhaus in Gyöngyösoroszi, wo „Schwestern vom Guten Hirten“ uns schon erwarten. Nach einer Kaffeepause – mit schmackhaften belegten Brötchen – geht es an das Ausladen der Anhänger, was uns trotz heftigen Regens viel Freude macht. Als wir im so genannten „Mädchen-haus“ unser Nachtquartier bezogen (und alle wieder trockene Kleidung an-) haben, probieren wir zum Aufwärmen alten Schottischen Single Malt Whisky, den Stefan extra für die Fahrt mitgenommen hatte. Bis in den späten Abend sitzen wir mit den Schwestern in gemütlicher Runde zusammen. Sr. Dorothea berichtet von der nicht immer leichten Unterstützung der über 800 „Seelen“ im Dorf, die auf Hilfe angewiesen sind, denn es fehlt den Familien dort am Nötigsten:
Staatliche Unterstützung gibt es kaum. Die Männer finden keine Arbeit oder werden dafür sehr schlecht bezahlt (bzw. ertränken ihre Hoffnungslosigkeit im Alkohol). In den Familien leben viele Kinder, so dass die meiste Arbeit von den Frauen erledigt werden muss. Durch die Schwestern werden die Frauen im „Mädchenhaus“ für verschie-dene handwerkliche Arbeiten und an der Nähmaschine ausgebildet. Selber hergestellte Produkte können dann unter Anderem auch auf Märkten in der näheren Umgebung verkauft werden – die Familien erwirtschaften auf diese Weise geringe Einkünfte, die sie dringend benötigen.
Freitag 28.09.07 Vor der Weiterfahrt schauen wir uns auf Einladung einer jungen Frau das „Haus“ ihrer Familie an. In einer Abbruchbude leben 5 Menschen auf engstem Raum, in einfachsten Verhältnissen, ohne Heizung oder fließend Wasser im Haus. Betroffen und sehr nachdenklich gehen wir zu unseren Fahrzeugen. Schnell sind wir uns einig, dass hier weitere Hilfe dringend notwendig ist – vielleicht im nächsten Jahr bei bbf31. Auf unbefestigten und matschigen Wegen fahren wir (es regnet noch immer) 50 km durch dichtes Waldgebiet. Nach weiteren 350 km, einigen Pausen und Überquerung der slowakischen sowie tschechischen Grenzen erreichen wir am späten Nachmittag unser heutiges Ziel, das ebenfalls vom Orden der „Schwestern vom Guten Hirten“ geführte Frauenhaus in Ludgerovice. Wir werden mit Getränken und Köstlichkeiten sehr freundlich empfangen; die Kinder dürfen zu unserer Begrüßung länger wach bleiben. Anschließend helfen alle beim Entladen der Hilfsgüter kräftig mit. Den Abend verbringen wir gemeinsam mit den Schwestern in schöner Atmosphäre in einem nahe gelegenen Lokal. Geschlafen wird heute Nacht in den Fahrzeugen – manche Sitzbänke können ja zum Bett umgeklappt werden. Ralf und Sebastian schlafen in ihrem Zug-fahrzeug bzw. im jetzt leeren Anhänger auf Feldbetten…
Samstag 29.08.07 Nach dem Frühstück (es gibt leckere Palatschin-ken) besuchen wir ein Sterbe-Hospiz der Caritas und überbringen u.A. gespendete Rollstühle. Über Land geht es bei trockenem Wetter nach Hradec Kralove (Königgrätz) weiter. Helmut, ein Westy-Fan, der vor Ort eine Restaurationsfirma für Oldtimer leitet, hat für uns im Hotel „Alessandria“ schöne Zimmer reserviert. Nach einer kurzen Erfrischungspause treffen wir uns zu einem Stadtrundgang: Helmut und seine Frau führen uns mit viel historischem Sachwissen durch die Altstadt. Hungrig geworden kehren wir in einer Gaststätte mit mittel-alterlichem Ambiente ein, in der wir gemütlich den Abend verbringen.
Sonntag 30.08.07 Wir verabschieden uns vonHelmut und seiner Frau, bekommen von ihnen noch gefüllte Oblaten für die Fahrt. – dann führt uns Helmut bis zur Autobahn. Am Abend kommen wir erschöpft aber glücklich wieder in Frankfurt an.
Bernd Czauderna
|